9 ungewöhnliche Tipps für Zerowaste-Anfänger

Glas mit Schüttgut zerowaste

Stoffbeutel und Edelstahl-Brotbüchsen bevölkern die unzähligen Tipp-Sammlungen für Zerowaste-Neulinge. Doch unsere Tipps sind anders. Es geht darin weder um Gegenstände, die du anschaffen musst, um dein Leben auf zerowaste umzustellen, noch um vielgeliebte DIY-Produkte, mit denen du angeblich Bad, Hals und Suppenschüssel gleichzeitig reinigen kannst. Es geht um praktische Gedanken, die dir dem Umstieg auf zerowaste grundsätzlich erleichtern sollen.

Kauf dir was Schönes

Zerowaste steht für Konsumverzicht und Selbermachen. Aber dieser eine Tipp weicht hiervon auf den ersten Blick ein bisschen ab. Die Geschichte dahinter ist mein erster eigener To Go-Becher. Er war ein Geschenk an mich selbst und begleitet mich noch heute überall hin. Er hat mich in den Anfängen meiner Zerowaste-Ambitionen vor über 10 Jahren jeden Tag daran erinnert, dass ich etwas in meinem Leben ändern möchte. Aber es hat auch einfach Spaß gemacht, ihn zu benutzen. Es muss kein Kaffeebecher sein, aber vielleicht findest du für dich ein Ding, ein greifbares, täglich nutzbares Ding, das dich an deine Zerowaste Journey erinnert und dass dir Zufriedenheit und Freude gibt.

Mach eine Präventiv-Shopping-Tour

Es ist besonders schwierig, immer dann nach unverpackten Lebensmitteln oder Gütern zu suchen, wenn man sie plötzlich dringend braucht. Deswegen nimm dir ein Wochenende und mach eine Tour durch alle Läden, die du schon immer nach plastikfreien oder unverpackten Produkten abgrasen wolltest und schreib mit, was du findest. Häng die Liste in deine Wohnung und fülle sie nach und nach mit weiteren Entdeckungen.

Halte deinen Müll fest

Auf dem Weg zu weniger Müll können einem manche Bemühungen wie ein Kampf gegen Windmühlen vorkommen. Doch wie viel weniger Müll man tatsächlich produziert, kann man nur messen, wenn man es dokumentiert. Es ist egal, wie du es machst, aber es kann ein sehr gutes Gefühl sein, nach einem halben Jahr festzustellen, dass man nun so wenig Packungen verbraucht hat, wie noch in dem letzten Monat, in dem man nicht versucht hat, zerowaste zu leben. Mach Fotos, oder schreib es dir auf. Aber nimm dir die Zeit, deine Fortschritte festzuhalten. Es kann auch eine gute Motivation für andere Leute sein, und dir Rückhalt geben, wenn du gefragt wirst, ob der ganze Aufwand überhaupt einen Unterschied macht.

Erzähl deinen Verwandten und Freunden davon

Die Verwandten sind meistens die größten Skeptiker eines veränderten Lebensstils. Aber dass man ihnen so nah ist, hat auch einen Vorteil. Sie können so direkt wie kaum jemand sehen, dass es eben doch funktioniert. Und wichtiger noch: wie es funktioniert. Damit hast du die Chance, diesen Menschen in deinem Leben die Hürde des fehlenden Bezugs zu nehmen. Denn den bekommen sie ja durch dich. Dir ist das wichtig, und du bist ihnen wichtig. Das bedeutet etwas, auch wenn man es leicht unterschätzt.

Dokumentiere die Kosten

Es ist immer wieder ein Streitpunkt, ob zerowaste nun teurer als die Norm ist oder nicht. Dazu muss man aber richtig vergleichen. Wenn man bio unverpackt kauft, muss man mit bio verpackt vergleichen und nicht mit nicht-bio verpackt. Wenn man vor der Zerowaste-Umstellung noch nie auf dem Markt war, kann man nicht hinterher sagen, dass das Essen teurer geworden ist. Und was das klar macht, ist: Ein bewusster Lebensstil muss teurer sein. Ein der Norm entsprechender Lebensstil ist ja vor allem eins: weniger bewusst. Das ist vielen Menschen in diesem Vergleich aber gar nicht klar und es führt oft zu Missverständnissen. Auch für dich selbst kann es wichtig sein, dir verständlich zu machen, dass du ja ganz andere Produkte kaufst und dafür auch eine andere Leistung bekommst. So ist es zu erwarten, dass du mehr Geld für Lebensmittel ausgibst, wenn du durch die Umstellung mehr Bio kaufst. In anderen Bereichen wiederum wirst du sehen, dass du sparst – etwa bei der Körperpflege oder Putzmitteln. Dabei kann es einfach gut tun, zu wissen, wofür man zahlt. Oder auch zu sehen, dass man durch den Kauf im Unverpacktladen zwar spontan höhere Ausgaben pro Einkauf hat, dafür aber insgesamt mehr hochwertige Ware und diese etwas seltener, weil für den Vorrat, einkauft.

Frag (d)eine Oma

Meine ganze Jugend über schimpften meine Großeltern über die Verschwendung und den Müll, die der zunehmende Wohlstand mit sich brachte – Supermarkt-Tüten waren in unserer Familie schon immer ungern gesehen. »Plastik, Plastik, Plastik, alles immer nur in Plastik!« Ich musste an diese Kommentare oft denken und daran, dass es ganz normal war, einen Beutel zum Einkaufen mitzunehmen oder ein Obstnetz zu benutzen; und die Spüle wurde sowieso mit Backpulver geputzt. Es gab keine 20 verschiedenen Reiniger, es gab zwei oder drei. Aber heute kommt der Verzicht auf das Unnötige uns vor wie ein neuer Trend. Das ist es nicht. Der Unterschied ist nur, dass wir heute die Wahl haben, ob und wie wir konsumieren wollen. Aber das Wissen, wie man Hausmittel selber macht und dadurch Müll und Geld spart, ist noch da. In den Köpfen der Leute, die schon vor dem Boom der Bequemlichkeit hier waren. Auch heute können wir noch von diesem Wissen noch profitieren. Wir müssen nur mal fragen.

Konsumiere achtsam

Achtsam, ein so viel gesagtes und vielleicht langsam ein bisschen zu oft gehörtes Wort. Aber das Wort hat Recht und es passt sehr gut hier her. Zerowaste bzw. lowwaste leben bedeutet, sein Konsumverhalten zu ändern. Es ändert sich nicht viel, jedenfalls nicht für die Umwelt, wenn man alle noch brauchbaren Tupper-Dosen synchron zum Umschlag der eigenen Meinung durch wunderschöne Vorratsgläser ersetzt. – Du bist für deinen Müll verantwortlich. Und am wenigesten Müll produzierst du, wenn du die Dinge, die du hast, lange nutzt. Natürlich ist es auch okay, wenn jemand anderes, der sie wirklich braucht, sie weiter nutzt. Aber es ist wichtig, sich klar zu machen, dass Taten nicht von ihrer Ästhetik sondern von ihrem Effekt leben. Auch wenn es auf Instagram und Pinterest manchmal nicht so aussieht.

Behandle Plastik nicht wie Müll

Es gibt Einwegverpackungen und es gibt Gebrauchsgegenstände aus Plastik. Bei diesen Gegenständen geht es primär um ihre Ökobilanz und dazu gehört auch die Lebensdauer. Diese hängt sehr stark davon ab, wie wir den jeweiligen Gegenstand behandeln. Leider kommen in der Zerowaste-Szene immer wieder Grundsatzdiskussionen nicht nur um single-use-Plastik sondern auch um Kunststoffe im Allgemeinen auf. Klar, es wäre schön, wenn mehr Dinge insgesamt aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht würden. Aber Fakt ist auch, dass viele Kunststoffe aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind – Autoreifen, Dichtungen oder Computerbauteile sind gute Beispiele. Sich das klar zu machen, ist wichtig, denn es bedeutet, dass wir diese Stoffe, so wie Holz, Metalle oder das liebgewonnene Glas, ebenfalls pfleglich behandeln müssen, wenn wir ihnen ein langes Leben und damit eine gute Ökobilanz bescheren wollen. Plastik wird in diesem Bereich erst dann zu Müll, wenn wir es so behandeln. Und sicher ist nicht jeder Kunststoffgegenstand langlebig und haptisch ansprechend. Aber der Umgang damit macht wirklich einen großen Unterschied dabei, wie lange und wie gut er genutzt werden kann. Wenn wir also achtlos mit allem umgehen, was aus Plastik ist, und fordern, es am besten gleich zu ersetzen, dann denken wir nicht zerowaste, sondern wiederum konsumorientiert.

Stelle insgesamt schlechte Produkte nicht über vermeintlich gut verpackte Produkte

Ein Einfuhrprodukt aus Übersee, das weder ökologisch noch fair hergestellt wurde, ist keine tolle Alternative zu einem lokalen Bio-Produkt, nur weil es unverpackt ist. Manche Zerowaste-Fans sehen am Anfang nur die Verpackung. Aber unser Essen und unsere Alltagsgegenstände sind mehr als das. Ein Produkt, das fair und haltbar gestaltet ist, nur deshalb nicht zu kaufen, weil es verpackt ist, ist Unsinn. Denken wir etwa an Schreibwaren. Einen guten Füller kann man jahrzehntelang nutzen. Wenn man die Wahl seines Schreibgeräts davon abhängig macht, wie es verpackt ist, ist man schnell sehr eingeschränkt – auch in der Qualität. Gemessen an der Lebensdauer des Füllers ist seine einmalige Verpackung aber einfach nicht relevant genug. Viel wichtiger ist, dass der eine wirklich gute Füller aus diesem Beispiel einem erspart, alle paar Jahre oder öfter einen neuen zu kaufen.

Schlussgedanken

Zerowaste ist ein sehr vielschichtiges Thema. Es hat mehr mit Nachdenken und dem Suchen nach individuellen Lösungen zu tun als mit chicen Öko-Alternativen. Den Glanz von Plastik sollte man nicht durch den Glanz von Glas ersetzen und alte Konsumgewohnheiten nicht durch die gleichen in grün. Man sollte viel mehr das Gesamtbild dessen, was für einen persönlich machbar und wertvoll ist, im Auge behalten und sich klar machen: Das, was für mich passt, kann für einen anderen Menschen komplett unpraktisch sein. – Das ist aber auch gleichzeitig das Schöne an diesem Lebensstil. Zerowaste-Elemente sind – in individuellem Umfang – in jeden Alltag integrierbar. Die Chance für unsere Gesellschaft besteht deshalb darin, dass viele Menschen viele kleine Beiträge leisten, die insgesamt etwas bewirken.

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1 Kommentar

  1. Hi,
    Schön, mal was ganz anderes 🙂 vor allem das achtsame konsumieren gefällt mir hier gut.
    Vielen Dank für die tollen Denkanstöße

    Viele Grüße,
    Ramona

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