Zerowaste Feuchttücher selber machen: 3 verschiedene Rezepte

DIY Zerowaste Feuchttücher - eine Feuchttücherbox, ein Glas Kokosfett, eine Wasserkanne, Feuchttücher und Pflanzenseife

Wer schon Stoffwindeln statt »normaler« Windeln verwendet, für den sind Mehrweg-Freuchttücher vermutlich kein Novum. Aber eigentlich sind sie auch etwas für alle anderen. Die selbstgemachten Tücher sind so einfach zu verwenden und es spart so unheimlich viel Müll. Sie sind wirklich der perfekte Einstieg in das Thema zerowaste für Menschen mit kleinen Kindern. Und mehr Aufwand als das Kaufen von Wegwerftüchern ist es garantiert nicht, denn sie sind in unter fünf Minuten aufbereitet!

3 Einfache Rezepte: Zerowaste Feuchttücher selber machen

Erst mal welche machen (oder kaufen)

Wenn man nähen kann und passnde Materialien übrig hat, bietet es sich natürlich an, die Tücher selbst zu machen. Aber man kann solche kleinen Lappen¹ mittlerweile auch kaufen. Wichtig ist nur, dass die Größe passt. Sie sollten nicht zu winzig (Kantenlänge mind. 12 cm × 20 cm) sein und nicht zu riesig. Wenn man schon eine passende Box oder Tasche hat, kann man sich für die passenden Maße daran orientieren. Außerdem sollte man sich überlegen, worin man die Tücher unterwegs transportieren möchte. Für all diese Fälle gibt es schon tolle Lösungen, wie zB. die beliebte Skip Hop Box¹ aber man kann natürlich auch jede alte Brotbüchse nehmen, die gerade da ist.

Feuchttücher nähen oder upcyceln

Lappen für Feuchttücher kann man aus alten Bettlaken oder Molton-Tüchern zuschneiden. Wir empfehlen, sie abgerundet zuzuschneiden und dann mit der Overlock (oder Pesudo-Overlockstich) zu versäubern.

Für das Upcycling eines alten Jersey-Bettlakens nimmt man den Stoff am besten doppellagig. Molton dagegen reicht einlagig. Altes Molton kann sehr hart werden, weil es seinen Flaum beim vielen Waschen verliert. Deswegen kann es sich auch lohnen, Molton neu zu bestellen. Was nicht empfehlenswert ist, sind Mulltücher, weil sie eher fest gewebt und nicht unbedingt weich sind.

Pssst! Alternative: Gar keine Feuchttücher

Für alle, die sich fest in den Kopf gesetzt haben, Feuchttücher für ihr Baby zu machen, weil es für sie einfach dazu gehört: Ja! Die kleinen Tücher können sehr sehr praktisch sein. Aber… Waschlappen tun’s eigentlich auch.

Die bekannten quadratischen IKEA-Waschlappen¹, die manche auch fürs Wickeln nutzen, eignen sich zB. sowohl als Waschlappen/Feuchttuch-Ersatz als auch als Handtuch für Neugeborene, bei denen man aus hygienischen Gründen oft frische Lappen nehmen möchte.

Man kann ein Baby aber auch ganz einfach unter dem Wasserhahn mit der Hand sauber machen und das Einsatzgebiet von Feuchttüchern oder Waschlappen reduziert sich dann ziemlich schnell auf die Fälle, wo man unterwegs ist. So spart man in seinem zerowaste-Haushalt noch mal Wäsche, was natürlich auch ein Umweltvorteil ist.

Feuchttücher-»Rezepte«

Basisrezept

Das Ansetzen funktioniert immer gleich: Du brauchst heißes Wasser. Es muss nicht notwendigerweise kochen, auch 60 bis 70 °C heißes Wasser aus der Leitung reicht, um das verwendete Pflanzenöl oder Fett zu verflüssigen. Da hier von vornherein nichts wirklich steril ist oder bleibt, und die frisch gewaschenen Tücher sich auch ohne Abkochen einige Wochen halten, kann man sich den zusätzlichen Energieaufwand sparen. Dazu brauchst du noch etwas Öl und Seifenflocken oder Flüssigseife. Für Babys empfiehlt sich duftstofffreie Seife¹ oder Babyshampoo. Auch ätherische Öle werden nicht gebraucht und haben auch keinen Effekt auf die Reinigungsfunktion der Tücher. Die meisten ätherischen Öle dürfen in der Nähe von Babys wegen der Gefahr von Bronchospasmen auch nicht angewendet oder verdampft werden, weshalb man damit auch bei der »Zubereitung« sehr vorsichtig umgehen sollte.

Bilderserie für Eilige: Ganz schnell Feuchttücher ansetzen

  • 1-1,5 TL Öl je Stapel (ca. 5-7 cm hoch) trockene Tücher in heißes Wasser (zB. in eine Feuchttücher-Box) geben.
  • Als Emulgator für die ölige und wässrige Phase einige TL Seifenflocken oder flüssiges Babyshampoo (zB. eins der vielen Fläschchen, die man so von Hebammenpraxen geschenkt bekommt) dazu geben.
  • Umrühren und so lange Seifenflocken/Flüssigseife hinzu geben, bis die ölige Phase vollkommen emulgiert ist – keine großen Fettbläschen auf der Oberfläche mehr erkennbar sind.
  • So viele Tücher zugeben, bis alles aufgesaugt ist.
  • Ggf. Tücher gut auswringen und in eine Transportbox oder -tasche umfüllen.

Seifenflocken kann man mit einer Raspel ganz einfach selbst herstellen. Es gibt sie aber auch plastikfrei zu kaufen, zB. bei Windelinge. Die im Bild zu erkennende Seife¹ unhaben wir lokal bei Manufactum in München erworben. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine komplett Duftstoff-freie Babyseife ist. Sie riecht tatsächlich vollkommen neutral. Es eignet sich aber auch jede andere sanfte Pflanzenseife.

Wenn man gleich ein paar mehr Flocken macht, kann man sich beim nächsten Mal die Arbeit sparen. Die Seifenflocken können in einem dickwandigen Papierbeutel oder im Glas gelagert werden. (Direkter Kontakt zu Aluminium sollte vermieden werden, weil es basische Substanzen die schützende Oxidschicht von Aluminiumgefäßen angreift.)

Variationen

Als ölige Phase eignen sich Kokosfett, Mandelöl oder nichts.

Kokosfett hat den Vorteil, dass es sich bei niedrigeren Temperaturen (Raumtemperatur ca. 20 °C) noch nicht verflüssigt und deshalb gut portionierbar ist. Außerdem ist es in jeder Drogerie oder im Bioladen im Glas erhältlich.

Mandelöl, das auch gern zum Baden von Babys benutzt wird, ist eine weniger stark duftende Variante und eine Alternative für Leute, die den Bounty-Duft nicht mögen. In kleiner Dosierung (wie o.a.) riechen die Tücher jedoch so oder so nicht sehr stark.

Nichts, damit meinen wir einfach kein Öl hinzuzugeben. Pflanzenseife enthält an sich schon Fette und die seifige, leicht schmierige Konsistenz erhält man auch so, wenn man zB. Seifenflocken auflöst. Wer unbedingt etwas besonders »cremiges« haben will, kann rückfettende Pflanzenseife verwenden. Die ist überfettet und hinterlässt einen Film auf der Haut, wenn man sich damit einseift. Allerdings ist dieser Effekt hier nicht so wichtig, weil die Seife ja mehr zum Ändern der Konsistenz genutzt wird. Die Tücher werden durch das Zusetzen von Seife und Fett einfach geschmeidiger. Es geht aber auch komplett ohne! Die Tücher trocknen dann etwas schneller aus und man muss sie öfter mal frisch machen. Aber im Grund geht es genauso gut. Für diese Variante empfehlen wir, neuen oder nicht stark abgenutzten Molton-Stoff zu vernähen. Auch die doppellagige Jerseyversion sollte sich eignen, ist aber weniger flauschig und glatt im nassen Zustand.

Das Waschen

Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Waschen. Bei der Diskussion um wiederverwendbare Materialien wird ja sehr oft angeführt, dass die Wäsche entweder »genauso umweltschädlich« sei wie die Wegwerfprodukte alles in allem. Oder dass das Waschen sehr lästig und anstrengend wäre. Beides stimmt nur bedingt.

Ein Wegwerfprodukt ist nicht komplett recyclebar. Die meisten Einwegprodukte und ihre Verpackungen sind nicht oder nicht vollständig biologisch abbaubar. Man hinterlässt mit ihrer Verwendung also immer Müll in der Umwelt, der (in menschlichen Dimensionen von Zeit gedacht) nie wieder oder nur extrem langsam verschwindet.

Im Gegenzug sind Mehrwegprodukte vererbbar, vielseitig einsetzbar und auf lange Frist fast immer nachhaltiger als Einwegprodukte. Wenn man also sorgsam mit seinem Mehrwegsachen umgeht, dann ist eigentlich klar, dass es sich für die Umwelt lohnt.

Was man dabei als stressig empfindet, ist aber sehr subjektiv. Viele Zerowaster sehen es als belastender an, Wegwerfprodukte zu kaufen als öfter zu Waschen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man auf diese Produkte einfach nicht angewiesen ist. Dazu kann man sich mal vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man sagen kann: Ich habe für mein Baby kein einziges Feuchttuch gebraucht. Einfach keines. Das ist sicherlich auch sehr plakativ. Aber das macht es ja nicht weniger wertvoll.

Die Wäsche von so kleinen Dingen wie Feuchttüchern klappt übrigens am besten im groben Wäschenetz. Beim Aufhängen erleichtert man sich die Arbeit, wenn man die Tücher an einer Ecke nimmt und einmal schüttelt. Dabei entfalten sie sich und man kann sie sofort aufhängen. Das einfachste (aber eben auch am wenigsten umweltfreundlichste) Vogehen ist natürlich, sie in den Trockner zu werfen.

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Wie auch immer du dich entscheidest, du kannst auf jeden Fall als erstes versuchen, weitgehend ohne Feuchttücher auszukommen. Bist du unsicher, bestell dir einen Packen oder frag in einem lokalen Zerowaste-Shop nach, ob sie welche verkaufen. Vielleicht hast du auch einen Nähfreund oder eine Nähfreundin, die dir helfen kann? Oder vielleicht möchtest du selbst jemandem eine Freude machen und als Babygeschenk ein paar Tücher mitgeben. Jeder kleine Schritt ist eine Verbesserung und diese kleine Idee ist wirklich eine, die jeder probieren kann! Wir hoffen, dir hat unsere Anleitung gefallen. Schreib uns gern, wie es bei dir funktioniert hat!

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